Nahrung für Körper, Geist und Seele…

… bietet der Wolbecker Mittags-Treff seit 2009 und erfreut sich wachsender Beliebtheit. In der gemütlichen Atmosphäre im Café des Achatiushauses in der Münsterstraße 24 treffen sich Dienstags und Donnerstags (auch an Feiertagen) ca. 25 bis 30 Seniorinnen und Senioren aus Wolbeck, der nahen Umgebung und aus den Servicewohnungen des Achatiushauses zu einem gesunden und wohlschmeckenden Mittagessen.

Ab 11:40 Uhr werden die Gäste im Foyer des Achatiushauses herzlich begrüßt und zu ihren Plätzen begleitet. Nach einem offiziellen Willkommen und einem kurzen Gebet erfolgt das Verteilen der vorgewärmten Teller. Anschließend werden die Speisen in Schüsseln oder auf Platten serviert. Das Essen kommt aus der Küche der Alexianer und wird nach der nährstoffschonenden „cook and chill-Methode" erst in Wolbeck gegart.

Ein besonderes Highlight einer jeden Mahlzeit ist das von den ehrenamtlich aktiven Frauen selbst hergestellte Dessert, „das ist das I-Tüpfelchen", so eine zufriedene Teilnehmerin, und Herr S. ergänzt: „Es geht nicht nur ums Essen, man nimmt Anteil aneinander." Auch beim abschließenden Tee oder Kaffee mit Keksen werden die Unterhaltungen lebhaft fortgesetzt, sie drehen sich um alles, was Menschen bewegt: Familie, Gesundheit, Politik und vieles mehr.

Wenn Sie, liebe Leserin und lieber Leser neugierig geworden sind und/oder Ihnen das tägliche Kochen nicht mehr so leicht von der Hand geht und/oder Sie Interesse haben an neuen Kontakten, so melden Sie für den MittagsTreff an:

Empfang des Achatiushauses unter der TelefonNr.: 02506/3046 26532
Dienstags und Donnerstags: 11:50 bis ca. 13:00 Uhr
5,80 Euro: enthalten sind Mittagessen, Dessert, Wasser, Tee, Kaffee, Kekse
Bei Bedarf bieten wir für Wolbeck einen Fahrdienst an (Kilometerpauschale)

Die 20 ehrenamtlich tätigen Wolbeckerinnen freuen sich auf Sie!
für das Team des WMT
Gabriele Knuf

„Endlich frei!“ ruft vielleicht eine Schülerin, als am letzten Tag vor den Sommerferien die Pausenglocke zum letzten Mal schellt. „Endlich frei!“ denkt vielleicht ein Mann, nachdem er seine Stelle gekündigt hat, die für ihn im letzten Jahr nur noch Stress bedeutet hat. „Endlich frei!“ tanzt Miriam, die Schwester des Moses, nach dem geglückten Auszug aus Ägypten. „Endlich frei!“, diesen Satz wünschen sich unzählige Menschen auf der ganzen Welt endlich sprechen zu können.

„Endlich frei!“, weil es endlich soweit ist, weil die gewünschte, erhoffte und herbeigesehnte Freiheit nicht mehr nur ein Wunsch, sondern wunderbare Realität geworden ist. Aber auch „end-lich frei“, weil Menschen wissen und spüren, dass ihre Freiheit endlich und begrenzt, abhängig und bedingt ist. Freiheit ist ja gerade darum ein so hohes Gut, weil wir jederzeit Gefahr laufen, die gewonnene Freiheit wieder zu verlieren, aber auch, weil unsere Freiheit niemals unendlich, sondern immer begrenzt ist. Sie endet an den tatsächlichen Möglichkeiten, an den Bedingungen, unter denen wir unser Leben führen, an der Freiheit des Nächsten, an dem, was Gott sich für unser Leben wünscht.

„End-lich frei!“ Unter diesem doppeldeutigen Wort wollen wir im Süd-Osten in diesem Jahr das Reformati-onsjubiläum ökumenisch begehen, vom 13. bis 15. Oktober mit ganz un-terschiedlichen Angeboten in unseren beiden evangelischen und unserer ka-tholischen Schwestergemeinde. Wenn der Wiener Praktische Theologe Wilfried Engemann unter Freiheit eine Lebenskunst versteht, „unter vorgegebenen Bedingungen ein nicht vorgegebenes Leben zu führen“1, dann
steckt in diesem Wort viel von den Entdeckungen Martin Luthers. Er hat uns auf unterschiedlichste Weise ins Gedächtnis gerufen, dass die Beziehung zu Gott auch eine dieser vorgegebenen Bedingungen ist, unter der wir unser Leben führen – für Luther ist sie sogar die zentralste.

Gott aus unserem Leben auszuklammern, der uns das Leben und diese Welt geschenkt hat, der uns mit Gaben und Fähigkeiten ausgestattet hat und mit liebender Gnade auf unser Leben blickt, würde bedeuten, einen wesentlichen Teil unserer selbst auszuklammern. Die Beziehung zu Gott zu stärken, den Blick dafür zu schärfen, was dieser Beziehung im Weg steht, und den Mut aufzubringen, dies einzureißen, bleibt das Verdienst Martin Luthers, von dem unsere Kirche auch nach 500 Jahren noch zehrt.

„Endlich-frei!“ das bedeutet für uns im Jahr des Reformationsjubiläums darum auch dies: „Endlich frei!“ für Gott und „end-lich-frei“ mit ihm unterwegs.

Die Beiträge und Veranstaltungen im Gemeindebrief 166 wollen uns auf diesem Weg unterstützen, wollen Inspirationen und Kraftquellen sein, damit auch wir vielleicht eines Tages rufen oder denken, tanzen oder jubeln: „End-lich frei!“

1Wilfried Engemann: Handbuch der Seelsorge, Leipzig 2007, 311.

Musik und Reformation: Freiheit und Chancen eines Neubeginns

Fünfhundert Jahre Reformation: Das sind fünfhundert Jahre Musikgeschichte, die eng mit Persönlichkeiten wie Heinrich Schütz, Georg Friedrich Händel, Johann Sebastian Bach und Georg Philipp Telemann – um nur die bekanntesten zu nennen – verbunden sind.

Längst sind die erwähnten Komponisten Teil der ökumenischen Kultur der christlichen Kirchen geworden. Sie haben, wie die Reformation selbst, tiefe Spuren im kollektiven Gedächtnis der europäischen Kultur und darüber hinaus hinterlassen. Ihr Erbe ist wie die Musik Olivier Messiaens, dem großen katholischen Mystiker der Musik des 20. Jahrhunderts, letztlich überkonfessionell.

Das Psalmwort „Singet dem Herrn ein neues Lied“ ist wörtlich zu nehmen: Der Erfolg der Reformation wurde nachhaltig gefestigt nicht nur dadurch, dass die Menschen die Bibel in der Landessprache verstehen konnten; neue Lieder – das wusste der musikkundige Martin Luther – waren unentbehrlich, um die Reformation unters Volk zu bringen und die Wirkung von Musik als Mittel der Identifikation zu nutzen. Der evangelische Choral, den er erfand, hat viele Quellen und knüpft an das zeitgenössische Lied an. Auch wurde vieles aus der liturgischen Überlieferung übernommen und übersetzt: „Christ ist erstanden von der Marter alle“.

Damit sich die neuen geistlichen Lieder gut einprägen konnten, schuf Luther leicht fassliche Melodien zu leicht fasslichen Texten, wobei Worte mit einer oder zwei Silben auffällig bevorzugt wurden: „Nun freut euch lie-be Chri-sten g‘mein, und lasst uns fröh-lich sprin-gen.“

Noch 1613 beklagt der Jesuitenpater Adam Contzen aus Sicht der Gegenreformation, Luthers Lieder hätten „mehr Seelen verdorben als alle seine Werke und Predigten.“ Contzen, der zeitweise im elsässischen Kloster Molsheim wirkte, hatte jedoch eher die Reformierten im Blick, die in Straßburg, Basel, Genf und in Périgueux, Nîmes, La Rochelle noch ihre Zentren besaßen. Anders als die lutherische Kirche legten die Reformierten ihrem neuen geistlichen Lied die 150 Psalmen zugrunde, die in französischer und dann deutscher Nachdichtung den sogenannten ›Hugenotten-Psalter‹ bilden sollten. Beispielsweise das Lied nach Psalm 66: „Jauchzt alle Lande Gott zu Ehren“ („Vous, tous les peuples de la terre“). Noch heute stehen die 150 Psalmen am Beginn eines jeden reformierten Gesangbuchs. Gottesdienstbesuchern, die in Leer, Aurich, Bad Bentheim oder Emden zur Kirche gegangen sind, ist dies vielleicht schon aufgefallen.

Nicht nur Lieder wurden neu geschaffen; die gesamte Liturgie wurde den neuen Bedürfnissen angepasst und schloss die Neuordnung der Bildungseinrichtungen in den reformatorischen Städten mit ein. Im Zuge dessen wurde ein neues städtisch-kirchliches Amt ins Lebens gerufen: das des Kantors. Die Folgen dieser organisatorischen Maßnahme kann man sich in ihrer Wirkung gar nicht weitreichend genug vorstellen. Schon Johann Walter, Freund Luthers und ›Ur-Kantor‹ der evangelischen Kirche, schuf ein reiches musikalisches Werk. Die Liste der Kantoren, zu deren zentralen Aufgaben es gehörte, neue Musik zu komponieren, ist unendlich lang. In großen Städten wurde stets darauf Wert gelegt, das Amt mit Spitzenkräften zu besetzen.

Noch heute wirken Traditionen von Stelleninhabern mit epochaler Bedeutung nach: Nürnberg (Pachelbel), Dresden (Schütz), Lübeck (Buxtehude), Hamburg (Telemann, CPE Bach) oder Leipzig (Bach). Neben der funktionalen Bedeutung trägt Musik in der evangelischen Kirche durch ihr Lobpreis zur Verkündigung bei (Ps 50, 23).

Alle erwähnten Komponisten standen stets im Austausch mit den musikalischen Entwicklungen ihrer Zeit. Bei der Weitergabe und Übernahme von Innovationen haben sich konfessionelle Grenzen als extrem niedrige, ja irrelevante Hürden erwiesen. So vervollkommnete sich Schütz bei Giovanni Gabrieli an San Marco in Venedig und übernahm von ihm das Prinzip der Mehrchörigkeit. Ohne diese ist die Doppelchörigkeit der Matthäus-Passion Bachs nicht denkbar. Bach studierte die Werke Frescobaldis, Organist an San Pietro in Rom. Die Livres d’orgue der katholischen Kollegen aus Frankreich regten ihn zur Komposition des Orgelbüchleins und zur ›Orgelmesse‹ (III. Theil der Clavier-Übung) an.

Beim Aufschwung der evangelischen Kirchenmusik im 19. Jh. (auch die Musik der katholischen Kirche erneuerte sich) spielt ein Komponist jüdischer Herkunft eine bedeutende Rolle: Felix Mendelssohn-Bartholdy.
Es gibt Werke von ihm, in denen er beide Traditionen hörbar miteinander verknüpft. Im dritten Satz der Zweiten Sonate D-Dur op. 58 für Violoncello und Klavier erklingt im Klavier ein frei erfundener Choral, während das Cello dem Stil nach und im Wechsel eine kantorale Kantillation der Synagoge intoniert, die Mendelssohn nach ihm vertrauten Mustern vermutlich ebenfalls frei erfunden hat.

Viele der bedeutendsten protestantischen wie katholischen Komponisten leisten ab dem 19. Jh. Beiträge zur Kirchenmusik beider Konfessionen. Das gemeinsame Band ist die übergreifende Geltung der Musik Händels und Bachs.

Aus den neuen Liedern sind längst alte Lieder geworden. Manche sind nach Gesangbuchrevisionen verschwunden, weil das Verstehen ihrer oft barocken Sprachlichkeit erklärungsbedürftig ist. Doch muss daran erinnert werden, dass das Singen dieser alten neuen Lieder einmal für das Gefühl einer existentiellen Befreiung stand, das Gefühligkeit nicht ersetzt.

Traditionswahrung mit den Herausforderungen der Gegenwart zu verbinden, dieser riskante Spagat wohnte auch der Reformation inne. Mit Blick auf die Ergebnisse der musikgeschichtlichen Entwicklung waren 500 Jahre Reformation eine Bereicherung, ein Geschenk an Menschen vieler Kulturen. Glaubensübergreifend.

Wie kostbar die Freiheit ist, spüren wir am stärksten, wenn wir eine Zeit der Unfreiheit durchleben mussten. So machte Joachim Gauck als Bundespräsident die Freiheit oft zum Thema seiner Reden, denn es war ihm unvergesslich, wie sehr er und seine Mitbürger in der DDR unter den Einschränkungen der Bürgerrechte gelitten hatten.

Vor mehr als 500 Jahren erfuhr Martin Luther die Unfreiheit in einer anderen Form, als sie uns heute in der Regel begegnet. Er litt darunter, dass er den Anforderungen nicht genügte, von denen er gelernt hatte, dass ein strenger Gott sie an ihn richtete. Erst als Luther begriff, dass Gott selbst schenken möchte, was er an rechtem Verhalten fordert - mit dem Apostel Paulus gesprochen: die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt - erlebte er die Befreiung seines Gewissens. In seiner berühmten Schrift aus dem Jahr 1520, Von der Freiheit eines Christenmenschen, konnte Luther den gewonnenen Freiraum beschreiben: Gott hat die letzte Verantwortung für das Gelingen des Lebens übernommen, denn in Jesus Christus ist er gekommen, um das Versagen und die Schuld der Menschen auf sich zu nehmen.
Dagegen können wir im Glauben das erhalten, was Christus vor Gott auszeichnet: die Freiheit zur Selbstdisziplin und zum Einsatz für andere, ohne sich dabei zu verlieren.

Luther spricht von einem „fröhlichen Wechsel und Streit“ zwischen Christus und der Seele, dem „innerlichen Menschen“. Wie könnte dieser „Wechsel und Streit“ für uns aussehen? Vielleicht so: Wir bringen die Anforderungen vor Gott, die das Leben, die Mitmenschen und die Umwelt an uns stellen. Immer wieder müssen wir zugeben, dass wir an diesen Anforderungen scheitern. Doch können auch wir Vertrauen entwickeln und befreit werden zum Engagement.
Endlich frei

Wenn Luther vom „innerlichen Menschen“ spricht, verkennt er keineswegs, dass viele Probleme des „äußerlichen Menschen“ bleiben und dass wir immer nur in einem sehr begrenzten Raum wirksam werden. Doch gilt für Luther wie für uns: Gott hat in Jesus Christus Befreiung von übermäßigen Anforderungen und vom Scheitern daran möglich gemacht. Endlich frei!

Wir können aufatmen - und wir können realistisch bleiben, denn wir wissen, das wir endlich sind. Wir sind nicht Gott - das Ganze unseres Lebens und unserer Welt können wir ihm überlassen.

Für die meisten Menschen des 16. Jh. war Freiheit zwar etwas, wonach man streben konnte, wirklich frei in ihrem Handeln und Denken waren aber die allerwenigsten. Das galt in politischer und sozialer, besonders aber in religiöser Hinsicht. In den Himmel kamen nur diejenigen, die auch gute Werke taten und sich rechtschaffen verhielten. Dass die Menschen nicht perfekt sind, ist nun seit dem Sündenfall hinlänglich bekannt, und die Kirche tat ihr Möglichstes, um die Angst vor Hölle, ewiger Verdammnis und dem Fegefeuer zu schüren, schließlich verdiente sie viel Geld damit.

An der Kirche kam damals niemand vorbei. Die Interpretation von Gottes Wort war exklusiv dem Klerus vorbehalten, kontrollieren konnte das, mangels Lateinkenntnissen, niemand. Luther ging es nicht anders, aber er hatte immerhin die Möglichkeit, die Bibel selbst zu lesen. Auf der Suche nach einem Gott der Liebe, entwickelte er seine Rechtfertigungslehre, prangerte den Ablass an und machte schließlich auch die Heilige Schrift der breiten Masse zugänglich.

Endlich frei, das Wort Gottes selbst zu lesen und zu verstehen. Endlich frei, das Geschenk der Rechtfertigung bedingungslos anzunehmen. Aber nicht nur die Freiheit in rein religiöser Hinsicht wurde erlangt, sondern die Schrift und das Wort Gottes wurden zum Instrument der Machtpolitik, es folgten erbitterte Kriege, die Europa über 100 Jahre lang fest im Griff hielten. War es das wert?

Und heute? Wir sind frei. Wir können lesen, was wir wollen, glauben, was wir wollen. Soziale und wirtschaftliche Unterschiede gibt es immer noch, aber niemand wird so ganz fallen gelassen. Und das alles ganz ohne Religion und Heilige Schrift. Das brauchen wir scheinbar nicht mehr und so sind gut gefüllte Kirchen eher die Ausnahme als die Regel und mancherorts zu Schauplätzen überholter Traditionen degradiert. Die Hochzeit in weiß und an Weihnachten in die romantisch erleuchtete Kirche, das ist dann doch schön und überhaupt, das haben wir doch immer schon so gemacht...

Hat Luther uns also heute noch etwas zu sagen? Auf den ersten Blick vielleicht tatsächlich nicht. Wir sind so frei, dass uns der Rahmen fehlt, wir unseren „roten Faden“ nicht mehr finden können. Wir lassen uns hin und her schubsen von den neuesten Trends und streben nach möglichst viel Profit. Und kommuniziert wird so viel wie noch nie, aber hören wir auch zu? Sind wir frei oder einfach nur orientierungslos?

Auf den zweiten Blick ermutigen jedoch reformatorische Begriffe wie „sola gratia“ (allein aus Gnade), „sola fide“ (allein aus Glaube), „sola scriptura“ (allein aus der Schrift) und „solus Christus“ (allein durch Christus) dazu, uns die Freiheit zu nehmen uns an das zu erinnern, was Luther uns vor 500 Jahren unter Einsatz seines Lebens versucht hat, deutlich zu machen.

Wir sollten uns heute auf das besinnen, was wirklich wichtig ist: Allein aus Gnade hat uns Gott bedingungslos vergeben, unsere Schuld auf sich genommen. Wir müssen nichts weiter tun und dieses Geschenk annehmen. Im Vertrauen auf Gottes Wort dürfen wir uns ganz auf unseren „roten Faden“ konzentrieren: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst! Wenn wir das schaffen, dann können wir wahrhaftig sagen: Endlich frei!