Liebe Leserinnen und Leser,
der aktuelle Gemeindebrief, der zur Zeit von den ehrenamtlichen Zustellern verteilt wird, hat das Abendmahl zum Thema. Von verschiedenen Seiten und aus unterschiedlichen Perspektiven werfen Menschen aus unserer Gemeinde einen jeweils eigenen Blick auf ein Sakrament, das wir vielleicht von Kindesbeinen an kennen und seit der Konfirmation mal regelmäßiger, mal unregelmäßig praktizieren, von dem wir vielleicht aber immer noch nicht so recht zu sagen vermögen, was wirklich in ihm vor sich geht.
Ein biblischer Autor, dem es offensichtlich ganz ähnlich ging, ist der Evangelist Johannes. Sein Evangelium ist das einzige, in dem eine Darstellung des letzten Abendmahls fehlt und in dem sich dennoch an zahlreichen Stellen starke Bezüge zum Abendmahl finden. Z.B. wenn Jesus sagt: „Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern, und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten“ (Joh 6,35). Oder in seinem Bild vom Weinstock: „Ich bin der Weinstock und ihr seid die Reben. Wer an mir bleibt und ich an ihm, der wird viel Frucht bringen, denn ohne mich könnt ihr nichts tun“ (Joh 15,5). Beide Worte nehmen die beiden Elemente des Abendmahls, Brot und Wein, auf und machen an ihnen etwas deutlich: Wer Jesus in sein Leben lässt, bzw. wer sich von Jesus in seinem Leben finden lässt, der wird selig. Nun kann man diesen Vorgang symbolisch oder ganz wörtlich verstehen, Johannes lässt bewusst beide Deutungsweisen offen.

Die Reformatoren haben diese Deutungsoffenheit aufgegriffen und dem Abendmahl entweder einen stärker verweisenden (so z.B. Huldrich Zwingli) oder einen stärker effektiven Charakter (so z.B. Martin Luther) zugewiesen. Bei ersterem ist das Abendmahl ein zeichenhaftes Geschehen, das uns an etwas erinnern möchte: nämlich daran, dass Jesus gestorben und wieder auferstanden ist und uns das Heil erworben hat. Bei letzterem ist das Abendmahl ein performatives Geschehen, bei dem sich das, worauf es zeichenhaft verweist (das durch Christus erwirkte Heil) zugleich ereignet – „in, mit und unter“ jedem Bissen Brot und jedem Schluck Wein.
Was ist das Abendmahl für Sie? Ein erinnerndes Zeichengeschehen? Ein Ort der Gottesbegegnung? Kraftquelle für den Alltag? Mysterion? Gemeinschaftsmahl?
Unser Gemeindebrief möchte dazu anregen, in den vor uns liegenden Wochen an unterschiedlichen Orten unserer Gemeinde darüber ins Gespräch zu kommen.
Es grüßt Sie herzlich
Ihr Pfarrer Dr. Plate