Liebe Leserinnen und Leser,
nach einem langen Winter erleben wir in diesen Tagen, wie die Natur Schritt für Schritt an Kraft gewinnt: erste Frühblüher recken ihre Hälse aus der Erde, die Zahl der Vogelstimmen im Garten nimmt wieder deutlich zu, und wenn sich die Sonne zeigt (selten genug ist es ja noch), dann spürt man bereits ihre stärker werdende Kraft ganz deutlich im Gesicht. Und auch wir stehen dieser Kraftentwicklung in der Natur nicht unbeteiligt gegenüber. Auch wir erleben, dass alte Kräfte zurückkehren - vielleicht nach einem längeren, jahrestypischen Infekt -, dass die Wintermüdigkeit langsam aber sicher der Vorfreude auf längere Sonnenstunden und den eigenen Garten weicht.

Es ist eine Art Verheißung, die in der Natur liegt, ein Vertrauensvorschuss an Kraft, der zeigt, was kommen wird, obwohl es noch nicht vollgültig da ist. Ein kleiner Vorgeschmack der Kraft, die sich explosionsartig und verschwenderisch ihren Weg bahnen wird und schon jetzt in jeder Knospe, jedem Sonnenstrahl und jeder Le-bensregung angelegt ist.

Ganz ähnlich verhält es sich auch mit der Verheißung Gottes, die die Jünger an Christi Himmelfahrt empfangen. „Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen“ (Apg 1,8a), verspricht Jesus ihnen, bevor er in den Himmel aufgehoben wird. Ganz ähnlich wie in einer im Erdreich verborgenen Knospe entfaltet sich die in dieser Verheißung liegende Kraft nicht unmittelbar. Die Jünger hören die Worte ihres Meisters zwar, aber es will sich in ihnen trotzdem noch nichts ändern.

Die Trauer aufgrund des erneuten Abschieds, das Gefühl der Einsamkeit und eine gewisse Lethargie und Kraftlosigkeit bleiben. So sitzen sie beisammen in einem Haus in Jerusalem: nicht vollkommen hoffnungslos, aber auch nicht mit einer konkreten Perspektive für ihr Leben; nicht völlig allein, aber doch irgendwie isoliert. Erst mit Pfingsten ändert sich dies schlagartig. Wie die Kraft der Natur im Frühling entlädt sich die Kraft des Heiligen Geistes explosionsartig und treibt die Jünger raus aus der Isolation ihres Hauses und hinaus auf die Straße zu den Menschen.

Plötzlich können sie gar nicht anders, als zu erzählen und zu predigen, was sie erlebt haben: dass sie kraftlos und müde waren, resigniert und hoffnungslos, und plötzlich voll Gottvertrauen in die Zukunft blicken!

Ob wir auch so eine Kraftentwicklung erleben werden: in der Einstellung unserem Leben gegenüber, in dem Kontakt mit Gott, in der Auseinandersetzung mit Herausforderungen und Problemen? Ganz gleich, wie wir diese Frage in den kommenden Monaten beantworten werden, eines ist sicher: Die Zusage des Heiligen Geistes gilt auch uns, und Gott hat weitaus mehr Kraft in unser Leben gelegt, als wir manchmal erahnen!

Die Texte des Gemeindebriefes 171 wollen uns dazu anregen, diese Kraft wahrzunehmen. Lassen wir uns überraschen, was passiert, wenn wir der Kraft des Heiligen Geistes Veränderung zutrauen.