„Weil wir nun solche Hoffnung haben, sind wir voll großer Zuversicht.“ (2. Kor 3,12)

Liebe Leserinnern und Leser, der aktuelle Gemeindebrief beschäftigt sich mit dem Thema „Hoffnung“. So unterschiedlich wie wir Menschen sind, so unterschiedlich sind auch unsere Hoffnungen. Manche hoffen auf Frieden oder auf die Verbesserung ihres Gesundheitszustandes, andere auf eine bessere Note in der nächsten Deutscharbeit oder den Meistertitel ihrer Lieblingsmannschaft.

Und so unterschiedlich unsere Hoffnungen sind, so ambivalent sind auch unsere Erfahrungen mit ihr: Manchmal werden Hoffnungen erfüllt, ein anderes Mal enttäuscht. Hoffnung ist dabei weitaus mehr als nur der Wunsch nach einer anderen Wirklichkeit, sie ist mehr als Sehnsüchte und Träume. Hoffnung ist das Salz in der Suppe, das unser Leben erst schmackhaft macht, weil es uns mit einer Wirklichkeit verbindet, die hinter allem Faktischen liegt. Wer hofft, der hat sich und die Welt noch nicht aufgegeben, der sieht noch Sinn, der fühlt sich noch verbunden mit dem Urgrund seines Seins.

„Weil wir nun solche Hoffnung haben, sind wir voll großer Zuversicht“ schreibt der Apostel Paulus seiner Gemeinde in Korinth und weist damit auf etwas Einzigartiges und Großartiges an unserer christlichen Hoffnung hin: Wir Christen können hoffen, weil wir wissen, dass Gott bereits gesiegt hat! In Christus gehören wir bereits einer neuen Welt an, die zwar noch nicht vollendet ist, aber sich schon jetzt Bahn bricht. Diese Hoffnung nimmt nicht mit einem Schlag alles Leid weg, bügelt nicht jeden Zweifel glatt, aber sie ermöglicht uns einen zweiten Blick auf unser Leben. Nur so können wir am Ewigkeitssonntag angesichts des Todes Lieder vom Leben singen – ohne die christliche Hoffnung wäre das nur zynisch.

Nur so können wir im Advent auf das endzeitliche Kommen Gottes warten – ohne die christliche Hoffnung wäre das nur vertane Zeit. Nur so können wir an Weihnachten die Menschwerdung Gottes feiern – ohne die christliche Hoffnung wäre die Weihnachtsgeschichte nur ein Märchen. Die christliche Hoffnung kann hoffen, weil Gott längst gesiegt hat, weil Gott den Stein vom Grab längst weggerollt hat, weil Gott sich längst zu uns auf den Weg gemacht hat, weil Gott am Ende unseres Lebensweges schon längst auf uns wartet.

Darum: Feiern wir unsere Hoffnung! Lassen wir einander Anteil an unserer Hoffnung haben: in den Gesprächen und Begegnungen in unserer Gemeinde, bei der Feier der Gottesdienste, beim Empfang der Sakramente. „Weil wir nun solche Hoffnung haben, sind wir voll großer Zuversicht!“

Es grüßt Sie herzlich
Ihr Pfarrer Dr. Christian Plate