Der 36. Deutsche Evangelische Kirchentag fand im Mai vor historischer Kulisse in Berlin statt. Der typische Berliner Flair kam nicht nur beim Gottesdienst vor dem Brandenburger Tor oder dem Reichstag auf. Typisch Hauptstadt und typisch Kirchentag, kam immer wieder eine bunte Mischung unterschiedlichster Menschen zusammen. Passend zur Losung „Du siehst mich“, bot der Kirchentag damit wieder eine hervorragende Plattform, um neue Kontakte zu knüpfen, Gespräche zu beginnen oder Gleichgesinnte zu treffen. Und keiner der rund 140.000 Dauerteilnehmer und 45.000 Tagesgäste ließ sich die gute Laune durch die verstärkte Polizeipräsenz oder die erstmalig durchgeführten Taschenkontrollen vermiesen. Ganz im Gegenteil: Vermutlich wird nirgends so viel gesungen und gelacht wie auf einem Kirchentag.

Grund zur ausgelassenen Stimmung hatten die Teilnehmer ja auch allemal. Immerhin wog das Programmheft so viel, dass schon auf den ersten Blick klar war: Hier ist für jeden etwas im Angebot. Dabei ist es gar nicht so einfach, sich zwischen 2.500 Veranstaltungen an gerade einmal drei Tagen zu entscheiden. Zur Bibelarbeit oder lieber zum Kabarett? Am Abend zum Konzert der Wise Guys oder Max Giesinger, oder doch lieber zum Abendsegen mit Lichtermeer am Gendarmenmarkt?

Und dazwischen lieber zum Auftritt von Barack Obama und Angela Merkel, oder doch eher zu einem Mitsingkonzert oder einem Vortrag? Und wo soll man überhaupt essen? Im Gläsernen Restaurant, wo integrativ gekocht und serviert wird, oder an einem der vielen Bio-Stände im Garten des Messezentrums? Gar nicht so einfach, sich da zu entscheiden. Und wenn dann noch einer der vielen Helfer mit einem großen „Wegen Überfüllung geschlossen“-Schild vor der Halle steht und man schnell umplanen muss, wird es sogar noch komplizierter. Aber auch das ist eben typisch Kirchentag.

Und weil in diesem Jahr nicht nur Kirchentag, sondern auch das Reformationsjubiläum gefeiert wird, fanden dieses Jahr zusätzlich zum eigentlichen Kirchentag noch sechs weitere „Kirchentage auf dem Weg“, etwa in Erfurt, Weimar oder Magdeburg, statt. Auch der Abschlussgottesdienst fand nicht in Berlin, sondern in Wittenberg statt. Bei strahlendem Sonnenschein kam der Kirchentag beim „Reformationspicknick“ zu einem gemütlichen Ende.

Mit Auto, Bus oder Bahn ging es wieder zurück nach Hause. Mit im Gepäck: Viele neue Lieder, ein orangener Kirchentagsschal als Erinnerungsstück und ein kleines Stückchen Kirchentagsstimmung.

Auch die Kirche kann zur Forscherwerkstatt werden.

„Mama, ich habe Post bekommen“, rief unser fünfjähriger Tizian begeistert. „Ich auch. Es ist eine Einladung“, freute sich sein Bruder Raphael. Einladungen sind toll. Sie erinnern an Kindergeburtstage. Diesmal war es aber etwas anderes: eine Einladung zum Tauferinnerungsgottesdienst. Wir entschieden sofort, hinzugehen.

An Christi Himmelfahrt kamen Tizian morgens aber doch Zweifel: „Im Gottesdienst ist es oft so langweilig, und ich muss die ganze Zeit still sitzen und leise sein!“. Dieser Gottesdienst sei speziell für Kinder, erklärten wir ihm. Also würde es vielleicht doch ganz spannend. Und so war es dann auch.

Thema des Tauferinnerungsgottesdienstes war das Wasser. Über dieses wurde aber nicht nur theoretisch philosophiert, sondern es konnte ganz praktisch erforscht werden. Es war fast wie im Mitmachmuseum, stellte Tizian fest. Mit einer Gießkanne konnte ein Wasserrad zum Laufen gebracht werden. An einer anderen Station testeten die Kinder, welche Dinge schwimmen können und welche untergehen. Dass ein Stück Holz schwimmt und ein Stein untergeht, verwunderte nicht. Wie aber lässt sich erklären, dass die Legofigur ohne Kopf auf den Boden sank, während sich die Legofigur mit Kopf an der Oberfläche hielt? Ein ungelöstes Rätsel! Einen Tisch weiter warteten Papierblumen darauf, aufs Wasser gesetzt zu werden. Sobald sie schwammen, entfalteten sie sich und ließen Sprüche sichtbar werden.

Händewaschen macht auch mehr Spaß, wenn das Wasser aus einer Karaffe über die Hände gegossen wird. Und zum Schluss durfte jeder auf Karten schreiben, wofür Wasser wichtig ist und seine Karten an eine Wand hängen.

Im März wurde Tizians kleine Schwester getauft. Jetzt durfte er zum Taufstein gehen und bekam vom Pfarrer ein Kreuz aus Wasser auf die Stirn gezeichnet. Es ist ein schönes Gefühl, selbst einmal wieder im Mittelpunkt eines Gottesdienstes zu stehen. Freunde trafen beide Jungs in der Kirche auch und so wurden mit einem Stück Kuchen in der Hand gleich Verabredungen zum Spielen ausgemacht.

„Das war ganz toll“, war schließlich Tizians Fazit „und kein bisschen langweilig!“. Dem konnte sich der Rest der Familie nur anschließen. Ein herzliches Dankeschön an alle, die mitgeholfen haben!

Liebe Leserinnen und Leser,
„Reformation bedeutet für mich ...“ Unter dieser Überschrift erscheint unser erster Gemeindebrief im Jahr des Reformationsjubliäums oder Reformationsgedenkens, in dem uns Veranstaltungen ganz unterschiedlicher Art an ganz unterschiedlichen Orten erwarten. Den Auftakt der Feierlichkeiten bei uns im Münsterland hat die Aufstellung von 30 überlebensgroßen Lutherfiguren auf dem Prinzipalmarkt im vergangenen Oktober gemacht. Eine dieser Figuren wird im Laufe dieses Jahres ihren Weg auch in unsere Gemeinde finden. Am Pfingstmontag kommt Präses Kurschus nach Münster und wird mit Bischof Genn einen ökumenischen Gottesdienst auf dem Domplatz feiern. Am 17. September feiern die drei ev. Kirchenkreise des Münsterlandes zusammen in Tecklenburg. Und im „Süd-Osten“ wollen wir das Reformationsfest ökumenisch begehen mit einem Festwochenende vom 13. bis 15. Oktober.
Doch was feiern wir eigentlich in diesem Jahr? Feiern wir ein Jubiläum oder begehen wir ein Gedenken? Feiern wir die Gründung unserer Ev. Kirche oder eine Kirchenspaltung? Was bedeutet Reformation ganz allgemein und für uns ganz persönlich? Vielleicht liegt im Nachgehen dieser Fragen schon ein wesentlicher Impuls für das vor uns liegende Jahr.

Einen entscheidenden Hinweis im Blick auf eine Annäherung an diesen Fragen- und Themenkomplex gibt der Bibeltext, an dem sich nachweislich Luthers reformatorische Erkenntnis entzündet hat: „Der Gerechte wird aus Glauben leben“ (Röm 1,17). Man kann diesen Satz auch so übersetzen: Der Glaube an Jesus als den Christus genügt für ein gelingendes Leben! Reformation würde in diesem Sinne die Korrektur oder besser die Neuausrichtung unseres Blicks auf unser Leben bedeuten. Reformation reformiert unsere Art und Weise Gott, das 3 Leben, unseren Nächsten und uns selbst zu betrachten, jedoch nicht aus sich selbst heraus, mit der Formulierung einer neuen Lehre, sondern aus der Bibel heraus. Die Reformation stellt das Wort Gottes in den Mittelpunkt und versucht das einzureißen, was Menschen den Blick darauf verstellt.

In der Reformationszeit haben andere Dinge Menschen den Blick auf Gott verstellt als heute. Die Vorstellung eines unbarmherzigen Gottes, unter dem Martin Luther litt, stellt beispielsweise für viele Menschen heute nicht mehr das zentrale Problemfeld ihres Denkens und Glaubens dar. Und doch gibt es auch heute vielfältige Erfahrungen von Unbarmherzigkeit: ein gnadenloser Arbeitsmarkt z. B., bei dem derjenige, der sich nicht schnell genug anpasst, auf der Strecke bleibt; das Konstrukt eines Selbstideals, das alles schaffen und meistern muss und niemals scheitern darf; das Gefühl, abgestellt und abgeschoben zu sein, wenn man nicht mehr leistungsfähig, gesund oder jung ist. An der Erfahrung von Unbarmherzigkeiten mangelt es unserer Zeit nicht. Sie mit dem barmherzigen Gott zu kommunizieren, der uns sagt: „Der Glaube an Jesus als den Christus genügt!“, „Dein Glaube genügt!“ ist für mich eine zentrale Brücke zur Reformation und ein zentraler Punkt dessen, was wir in diesem Jahr miteinander feiern wollen.

Kooperationsgespräche
Aus den Kooperationsgesprächen mit der Friedenskirchengemeinde gibt es ein erstes praktisches Ergebnis: Die Presbyterien beider Gemeinden haben beschlossen, die Gottesdienstzeiten aufeinander abzustimmen, so dass an einem Sonntag ggf. jeweils ein Gottesdienst in jeder Gemeinde durch einen Pfarrer gehalten werden kann.

Für die Friedenskirchengemeinde bedeutet dies eine Änderung der Gottesdienstzeiten, für unsere Gemeinde eine Verschiebung der Sakramente. Ab April werden die Gottesdienste in unserer Gemeinde nach folgendem Schema gefeiert werden:

  Albersloh Wolbeck
1. So. im Monat 9:30 Uhr: Taufen 11:00: Taufen und Kirchencafé
2. So. im Monat   11:00: Abendmahl
3. So. im Monat 9:30 Uhr: Abendmahl  
4. So. im Monat   11:00 Uhr GoMit
(Ort und Zeit können ggf. variieren)
5. So. im Monat  11:00 Uhr Gemeinsamer Gottesdienst
mit der Friedenskirchengemeinde in Albersloh, Wolbeck oder Gremmendorf
 


An den Gottesdienstzeiten und -orten ändert sich somit für unsere Gemeinde nichts, es verschieben sich lediglich Tauf- und Abendmahlssonntag. Über die dadurch ermöglichte Kooperation mit der Friedenskirchengemeinde hinaus hat dies den Vorteil, besser auf beliebte Tauftermine reagieren zu können, da nun an einem Sonntag an zwei Gottesdienststätten getauft werden kann. Zudem entspricht die neue Regelung dem Wunsch nach häufigeren Abendmahlsfeiern, der auf dem vorletzten Gemeindeforum geäußert worden ist: Ab April feiern wir an zwei Sonntagen in unserer Gemeinde Abendmahl anstatt wie bislang bloß an einem.

Reformation bedeutet für mich, ein tragfähiges Fundament zu haben.
In meiner Kindheit und Jugend war ich geprägt durch freikirchliche Frömmigkeit. Ich war als Kind nicht getauft worden. Eine Bekehrung, eine „freie Entscheidung“ für Jesus Christus war notwendig, um getauft zu werden und um Mitglied der Freikirche zu werden. Von diesem Bekehrungserlebnis hatte man in öffentlicher Gemeindeversammlung Zeugnis zu geben. Erst dann konnte die rechtmäßige Taufe des gläubig gewordenen Bewerbers und die Aufnahme in die Gemeinschaft der Glaubenden erfolgen.

Als 13-jähriger „bekehrte“ ich mich auf einer Jugendfreizeit, nachdem ich zuvor schon in Kinderevangelisationen und z.B. bei Besuchen von Massenevents mit Billy Graham und anderer Evangelisten in diese Richtung gedrängt worden war. Irgendwann war man als Kind einer freikirchlichen Familie „reif“ für ein Bekehrungserlebnis. Auf einer Jugendfreizeit nahm mich ein schon Bekehrter ins Gebet, d.h. er „klopfte mich weich“ für eine „freie Entscheidung“. Ich wurde getauft und so Mitglied der Freikirche.

Diese Entscheidung war natürlich alles andere als frei gewesen. Sie wurde herbeigeführt durch ständige Beeinflussung, durch Erziehung, Lebensumstände in der Pubertät und Trauererfahrung: Mein Vater verstarb genau in dieser Zeit; hinzu kam Schulversagen; ich musste die Quarta wiederholen. In dieser Krisenzeit bekehrte ich mich und wurde getauft.

Im Laufe meines Studiums lernte ich Luthers Theologie „von der freien Gnade“ kennen. Ich erkannte meinen Weg als Christ durch fragwürdige Erlebnisse in meiner Biografie begründet. Dass dieses kein tragfähiges Fundament für mein Christsein mit allem Auf und Ab und vielen Zweifeln sein konnte, wurde mir klar. Christliche Existenz kann sich nicht auf ein Bekehrungserlebnis gründen, sondern auf etwas, das außerhalb von mir selbst liegt. Und das ist Gott, der mich gnädig annimmt „ohn' all Verdienst und Würdigkeit“.

Im Bild der Bekehrung heißt das: Nicht ich muss mich bekehren, sondern Gott hat sich schon längst zu mir bekannt. Ich muss nichts leisten, vollziehen, erleben; ich bin, so wie ich bin, angenommen durch Gottes voraussetzungslose Liebe, die mir durch Jesus Christus zugesprochen ist. Mich trägt nicht meine „freie Entscheidung“, vielmehr Gottes freie Entscheidung für mich. Das ist meine Glaubensgewissheit, ein reformatorischer Durchbruch, der mich in die Evangelische Kirche und schließlich ins Pfarramt geführt hat. Übrigens: Ich taufe als Pfarrer gern kleine Kinder, wird doch durch die Kindertaufe besonders eindrücklich deutlich, dass Gottes Liebe voraussetzungslos ist.