Kooperationsgespräche
Aus den Kooperationsgesprächen mit der Friedenskirchengemeinde gibt es ein erstes praktisches Ergebnis: Die Presbyterien beider Gemeinden haben beschlossen, die Gottesdienstzeiten aufeinander abzustimmen, so dass an einem Sonntag ggf. jeweils ein Gottesdienst in jeder Gemeinde durch einen Pfarrer gehalten werden kann.

Für die Friedenskirchengemeinde bedeutet dies eine Änderung der Gottesdienstzeiten, für unsere Gemeinde eine Verschiebung der Sakramente. Ab April werden die Gottesdienste in unserer Gemeinde nach folgendem Schema gefeiert werden:

  Albersloh Wolbeck
1. So. im Monat 9:30 Uhr: Taufen 11:00: Taufen und Kirchencafé
2. So. im Monat   11:00: Abendmahl
3. So. im Monat 9:30 Uhr: Abendmahl  
4. So. im Monat   11:00 Uhr GoMit
(Ort und Zeit können ggf. variieren)
5. So. im Monat  11:00 Uhr Gemeinsamer Gottesdienst
mit der Friedenskirchengemeinde in Albersloh, Wolbeck oder Gremmendorf
 


An den Gottesdienstzeiten und -orten ändert sich somit für unsere Gemeinde nichts, es verschieben sich lediglich Tauf- und Abendmahlssonntag. Über die dadurch ermöglichte Kooperation mit der Friedenskirchengemeinde hinaus hat dies den Vorteil, besser auf beliebte Tauftermine reagieren zu können, da nun an einem Sonntag an zwei Gottesdienststätten getauft werden kann. Zudem entspricht die neue Regelung dem Wunsch nach häufigeren Abendmahlsfeiern, der auf dem vorletzten Gemeindeforum geäußert worden ist: Ab April feiern wir an zwei Sonntagen in unserer Gemeinde Abendmahl anstatt wie bislang bloß an einem.

Reformation bedeutet für mich, ein tragfähiges Fundament zu haben.
In meiner Kindheit und Jugend war ich geprägt durch freikirchliche Frömmigkeit. Ich war als Kind nicht getauft worden. Eine Bekehrung, eine „freie Entscheidung“ für Jesus Christus war notwendig, um getauft zu werden und um Mitglied der Freikirche zu werden. Von diesem Bekehrungserlebnis hatte man in öffentlicher Gemeindeversammlung Zeugnis zu geben. Erst dann konnte die rechtmäßige Taufe des gläubig gewordenen Bewerbers und die Aufnahme in die Gemeinschaft der Glaubenden erfolgen.

Als 13-jähriger „bekehrte“ ich mich auf einer Jugendfreizeit, nachdem ich zuvor schon in Kinderevangelisationen und z.B. bei Besuchen von Massenevents mit Billy Graham und anderer Evangelisten in diese Richtung gedrängt worden war. Irgendwann war man als Kind einer freikirchlichen Familie „reif“ für ein Bekehrungserlebnis. Auf einer Jugendfreizeit nahm mich ein schon Bekehrter ins Gebet, d.h. er „klopfte mich weich“ für eine „freie Entscheidung“. Ich wurde getauft und so Mitglied der Freikirche.

Diese Entscheidung war natürlich alles andere als frei gewesen. Sie wurde herbeigeführt durch ständige Beeinflussung, durch Erziehung, Lebensumstände in der Pubertät und Trauererfahrung: Mein Vater verstarb genau in dieser Zeit; hinzu kam Schulversagen; ich musste die Quarta wiederholen. In dieser Krisenzeit bekehrte ich mich und wurde getauft.

Im Laufe meines Studiums lernte ich Luthers Theologie „von der freien Gnade“ kennen. Ich erkannte meinen Weg als Christ durch fragwürdige Erlebnisse in meiner Biografie begründet. Dass dieses kein tragfähiges Fundament für mein Christsein mit allem Auf und Ab und vielen Zweifeln sein konnte, wurde mir klar. Christliche Existenz kann sich nicht auf ein Bekehrungserlebnis gründen, sondern auf etwas, das außerhalb von mir selbst liegt. Und das ist Gott, der mich gnädig annimmt „ohn' all Verdienst und Würdigkeit“.

Im Bild der Bekehrung heißt das: Nicht ich muss mich bekehren, sondern Gott hat sich schon längst zu mir bekannt. Ich muss nichts leisten, vollziehen, erleben; ich bin, so wie ich bin, angenommen durch Gottes voraussetzungslose Liebe, die mir durch Jesus Christus zugesprochen ist. Mich trägt nicht meine „freie Entscheidung“, vielmehr Gottes freie Entscheidung für mich. Das ist meine Glaubensgewissheit, ein reformatorischer Durchbruch, der mich in die Evangelische Kirche und schließlich ins Pfarramt geführt hat. Übrigens: Ich taufe als Pfarrer gern kleine Kinder, wird doch durch die Kindertaufe besonders eindrücklich deutlich, dass Gottes Liebe voraussetzungslos ist.

Luthers Erkenntnis, dass Gott ein liebender Gott ist, der mich annimmt ohne Vorbedingungen, ohne dass ich dafür etwas leisten muss, steht für mich an ganz zentraler Stelle.

Auf ihr beruht mein Glaube, denn es ist eine Erkenntnis, die die Angst vertreibt nicht „recht“, nicht gut genug zu sein. Aus ihr resultiert die Gewissheit, dass Gott kein ferner Gott ist, sondern mir in Jesus Christus ganz nahe kommt und ich mich in guten und schweren Zeiten begleitet weiß. Sie macht mich frei, Gottes Liebe weiterzugeben; Menschen, denen ich begegne, offen gegenüber zu treten. Sie schützt mich vor (Vor)-Verurteilungen und gibt mir die Kraft, zu vergeben und Vergebung anzunehmen. Sie ermutigt mich aber genauso, Dinge kritisch zu hinterfragen, mich einzumischen, deutlich Position zu beziehen, wo Unrecht herrscht.

Nicht zu resignieren, Zustände in Gesellschaft und Kirche nicht als unveränderbar zu sehen, sondern orientiert an den Hoffnungsgeschichten des Evangeliums an Veränderung und Wandlungsmöglichkeit zu glauben, auch das resultiert für mich aus der Reformation.

Schließlich: Meine Tätigkeit als Laienpredigerin wäre ohne die Reformation nicht denkbar; es bedeutet mir sehr viel, als Christin gleichberechtigt Kirche mitzugestalten, in ihr wirken zu können; mit meiner (kleinen) Kraft dazu beizutragen, dass sie zur Heimat und spirituellen Kraftquelle für viele Menschen wird, in der Gewissheit, dass Gottes Reich uns versprochen ist und kommen wird.

Kämpfer für die gute Sache zu sein.
Martin Luther war ein Kämpfer für die gute Sache, ein Rebell um des Glaubens Willen, damit Menschen ihren Glauben ohne Angst und selbstbestimmt leben können!

Martin Luther wieder in unser Bewusstsein zu rufen, passt gerade jetzt sehr gut in unsere Zeit, in der wir viel darüber diskutieren, ob wir Menschen Zuflucht bieten oder sie ausschließen sollten. Ich mag Luther, weil er für die Unterprivilegierten und Ausgeschlossenen gekämpft hat. Er war der Anwalt der kleinen Leute und hat viel dafür riskiert, damit wir ein positives Gottesbild haben können. Der liebende Gott, an den ich glaube, bei dem sind alle willkommen, ungeachtet ihrer Hautfarbe, ihrer Herkunft und ihrer Bildung.

Viele Gemeindeglieder kennen diesen Kreis von Ehrenamtlichen vermutlich gar nicht, weil sie zu jung sind. Wir haben es uns zur Aufgabe gestellt, die „Geburtstagskinder“ in den Gemeindeteilen Wolbeck und Angelmodde-Dorf ab dem 80. Geburtstag zu besuchen und Glück- und Segenswünsche im Namen der Gemeinde zu überbringen.

Alle drei Monate treffen wir uns mit Pfarrer Dr. Plate, um die Listen mit den Geburtstagen durchzugehen und zu klären, wer wen in den folgenden Monaten besuchen wird, aber auch, um Erfahrungen auszutauschen. Für die meisten alten Menschen ist es eine große Freude, von der „Kirche“ besucht zu werden.
Sie nehmen den Besuch als Gelegenheit, Neues aus dem Gemeindeleben zu erfahren (viele können aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr daran teilnehmen) oder, was meistens der Fall ist, aus ihrem Leben zu erzählen.

Für mich persönlich bedeuten diese Besuche immer eine große Bereicherung. Am schönsten ist es, wenn man spürt, dass man schon erwartet wird.
Leider ist der Besuchsdienstkreis, der schon seit Langem existiert, im Laufe der Jahre immer kleiner geworden, wogegen der Kreis derer, die besucht werden, größer wird, da die Menschen älter werden. Unser Kreis besteht z. Zt. aus Pfarrer Dr. Plate und drei Ehrenamtlichen.

Ja, Sie merken schon: Wir suchen Helfer. Wir würden uns sehr freuen, wenn sich der Eine oder die Andere angesprochen fühlt und sagt: Das ist genau das Richtige für mich (in diesem Fall bitte bei Pfarrer Dr. Plate melden). Sie werden bestimmt wie wir erfahren, wie bereichernd und erfüllend dieser Dienst ist.